Gartenausstellung
8. August 2026 | 16 Uhr
Allenkamp 5, 51766 Engelskirchen
Die Erfindung der Bedeutung
Warum erscheint uns manches wertvoll und anderes bedeutungslos? Warum werden bestimmte Dinge zu Erinnerungsstücken, Kunstwerken oder Sammlerobjekten, während andere unbeachtet bleiben?
Die Ausstellung „Die Erfindung der Bedeutung“ beschäftigt sich mit der erstaunlichen menschlichen Fähigkeit, Dingen Bedeutung zuzuschreiben.
Neue Assemblagen und Malereien lösen vertraute Gegenstände aus ihrem gewohnten Zusammenhang und eröffnen neue Geschichten, Assoziationen und Blickwinkel. Die Arbeiten laden dazu ein, über Wert, Bedeutung und Wahrnehmung nachzudenken – und darüber, wie sehr sich die Bedeutung eines Gegenstandes durch seinen Kontext verändern kann.
Wie in den vergangenen Jahren findet die Ausstellung in meinem Garten und im Haus statt und bietet Raum für Kunst, Gespräche und einen sommerlichen Nachmittag mit Freunden, Bekannten und neuen Gästen.
Sie sind herzlich eingeladen!
Wibke Brode
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Garten-Ausstellungen
Über die Ausstellung
Die Erfindung der Bedeutung
Der Mensch unterscheidet sich von allen anderen Lebewesen nicht nur durch Sprache, Werkzeuge oder Kultur. Er besitzt eine außergewöhnliche Fähigkeit: Er gibt der Welt Bedeutung.
Ein Stück Stoff wird zur Flagge. Ein Ring zum Versprechen. Ein Stein zum Denkmal. Ein Knochen zur Reliquie. Ein bedrucktes Blatt Papier zum Geldschein.
Nichts davon erklärt sich aus dem Material selbst.
Es ist der Mensch, der Bedeutungen erschafft. Er verbindet Dinge mit Erinnerungen, Hoffnungen, Ängsten, Glauben oder Sehnsucht. Dadurch entsteht eine zweite Wirklichkeit – eine Welt, die nicht aus Materie besteht, sondern aus Sinn.
Diese Fähigkeit prägt unser gesamtes Leben.
Sie macht Religion möglich. Nicht weil ein Gegenstand heilig wäre, sondern weil Menschen ihm Heiligkeit zuschreiben.
Sie macht Kunst möglich. Nicht weil Farbe und Leinwand von sich aus etwas bedeuten, sondern weil wir in ihnen Geschichten, Gefühle und Gedanken erkennen.
Sie macht Liebe möglich. Der Pullover eines geliebten Menschen ist nicht deshalb kostbar, weil sein Stoff wertvoll wäre. Er wird kostbar, weil Erinnerungen an ihm haften.
Sie macht Werbung möglich. Ein Parfum ist chemisch betrachtet eine Mischung aus Duftstoffen. Erst Bilder, Farben, Geschichten und Sehnsüchte verwandeln es in ein Versprechen von Eleganz, Freiheit oder Sinnlichkeit.
Dasselbe gilt für Marken. Ihr eigentlicher Wert liegt nicht im Produkt, sondern in der Bedeutung, die Menschen mit ihnen verbinden.
Sie macht sogar Gesellschaft möglich. Geld, Grenzen, Gesetze, Nationen oder Institutionen existieren, weil Menschen sich auf gemeinsame Bedeutungen verständigen. Der Historiker und Philosoph Yuval Noah Harari beschreibt genau diese Fähigkeit als eine der Grundlagen menschlicher Kultur: Wir können an Dinge glauben, die nur existieren, weil wir gemeinsam an sie glauben.
Auch die Psychologie kennt dieses Phänomen. Gegenstände werden zu Erinnerungsorten. Sie speichern keine Gefühle. Und doch können sie Trost spenden, Identität bewahren oder eine ganze Lebensgeschichte wachrufen. Deshalb hebt jemand eine Eintrittskarte auf, trägt den Ring der Großmutter oder bewahrt jahrzehntelang einen scheinbar wertlosen Gegenstand auf. Nicht das Objekt ist bedeutend. Die Beziehung zu ihm ist es.
Die Philosophie beschäftigt sich seit Jahrhunderten mit derselben Frage. Besitzen Dinge ihren Wert aus sich heraus? Oder entsteht Bedeutung erst durch unsere Wahrnehmung, unsere Sprache und unsere Kultur? Eine endgültige Antwort gibt es nicht. Doch viele Denker verbindet die Einsicht, dass Bedeutung niemals allein im Objekt liegt. Sie entsteht zwischen dem Gegenstand und dem Menschen, der ihn betrachtet.
Genau an dieser Stelle setzt diese Ausstellung an.
Die Arbeiten entstehen nicht aus einer vorgefassten Geschichte. Ich arbeite mit Farben, Materialien, Fundstücken und Objekten. Ich suche keine Metaphern und illustriere keine Gedanken. Mich interessiert zunächst ausschließlich die formale Beziehung der Dinge. Was trägt? Was widerspricht sich? Welche Materialien finden zueinander? Welche Komposition besitzt Spannung oder Ruhe?
Erst danach beginnt etwas, das ich selbst nicht vollständig steuern kann.
Ein alltäglicher Gegenstand beginnt plötzlich, etwas anderes zu sein, ohne dass sich das Objekt verändert hätte. Ein Stück Metall wirkt plötzlich verletzlich. Ein alltägliches Fundstück beginnt, eine Geschichte zu erzählen, die vorher nicht existierte. Nicht weil ich sie hineingelegt hätte, sondern weil im Zusammenspiel der Dinge neue Zusammenhänge entstehen.
Vielleicht liegt darin eine der besonderen Möglichkeiten der Kunst.
Sie erklärt die Welt nicht.
Sie macht sichtbar, wie wir sie lesen.
Sie zeigt, dass Bedeutung keine feste Eigenschaft der Dinge ist, sondern ein lebendiger Prozess zwischen Objekt, Erinnerung, Erfahrung und Vorstellungskraft.
Jede Betrachterin und jeder Betrachter wird deshalb andere Geschichten entdecken. Nicht, weil eines richtig und das andere falsch wäre. Sondern weil jeder Mensch seine eigene Welt der Bedeutungen mitbringt.
Bedeutung ist keine Eigenschaft der Dinge.
Sie entsteht zwischen ihnen – und in uns.
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